Zahme Papageien
Papageien sind anders...
...als die Tiere, die wir traditionell in der Wohnung halten, nicht zu vergleichen mit Hund und Katze. Hunde und Katzen leben seit Jahrtausenden beim Menschen und haben ihre Lebensweise und Ihr Verhalten entsprechend angepasst. Katzen lieben das warme Plätzchen auf dem Schoß oder dem Sofakissen beim Fernsehen, Hunde folgen dem Menschen, den sie als ihren Rudelführer ansehen. Beide sind dankbar für die Streicheleinheiten und erfülllen ihrem Menschen gern den Wunsch nach einem Kuscheltier.
Vögeln hingegen ist der Umgang mit dem Menschen nicht in die Wiege gelegt, sie sind vom Verhalten her Wildtiere und Fluchttiere. Den Umgang mit dem Menschen muss jeder Vogel für sich allein lernen. Es liegt also ganz allein am Vogelhalter, was er aus seinem Tier macht - dies ist Chance und Gefahr zugleich.
Jeder hat die Chance, das Vertrauen des Vogels zu erwerben, so dass er zahm wird. Jeder läuft Gefahr, dieses Vertrauen fast unwiederbringlich zu zerstören durch falsche Behandlung des Vogels.
Was ist zahm?
Ein frei lebender Vogel läßt den Menschen bis auf einen bestimmten Abstand (Fluchtdistanz) an sich heran, dann fliegt er auf. Von diesem Verhalten bis zum völlig vertrauten Vogel, der sich freiwillig in der Hand auf den Rücken legt und sich kraulen läßt, ist es ein weiter Weg - und lange nicht jeder Vogel wird jemals so weit kommen!
Entsprechend gehen auch die Meinungen auseinander, wann ein Vogel als zahm zu bezeichnen ist.
Ist er zahm, wenn er
- ruhig sitzen bleibt, wenn wir in der Voliere hantieren, um Futter zu geben
- Futter aus der Hand abnimmt
- vorsichtige Berührungen mit der Hand duldet, ohne zu flüchten oder zu beißen
- auf die Hand steigt
- uns von sich aus anfliegt und sich auf Arm oder Schulter setzt
- das Kraulen genießt und keinerlei Scheu zeigt
- uns ständig hinterher fliegt, an uns hängt und Geschrei macht, sobald wir ihn irgendwo absetzen
Bis auf den letzten Punkt sind dies auch in etwa die Stufen, die beim Zähmen eines Vogels durchlaufen werden, wobei es vom Vogel und vom Halter abhängt, ob und in welcher Zeit welcher Grad der Zahmheit erreicht wird. Auch tritt Zahmheit in der modernen Vogelhaltung, in der Papageienvögel inicht mehr allein, sondern mit mindestens einem Partner der gleichen Art gehalten werden, ein wenig in den Hintergrund zu Gunsten der Beobachtung der Vögel. Den Vögeln zuzuschauen, wie sie miteinander umgehen, sich kraulen und füttern, spielen, gemeinsam "Blödsinn" machen ist sicherlich angenehmer, als keinen Schritt mehr ohne die an einem hängende "Klette" tun zu können. Für die Vögel ist es ohne Frage besser.
Nun wissen Sie auch, warum ich den letzten Punkt zuvor ausgeklammert habe. Es ist falsch verstandene Zahmheit, die dem Menschen bald lästig wird und die beim Vogel zu Verhaltensstörungen, wie Schreien und Rupfen, führen kann.
Man kann jeden Vogel zähmen, das ist erwiesen. Es erfordert natürlich eine Menge Geduld und Zeit und die Bereitschaft, sich auf den Vogel einzustellen.
Hier kommt nun manchem der von Menschenhand aufgezogene Vogel scheinbar gelegen, kennt er doch den Menschen von frühester Jugend an und ist er deshalb natürlich vom ersten Tage an zahm. Aber: Er ist definitiv ein Kandidat für Punkt 5 der Liste! Ob er uns weniger Zeit kostet, sei mal dahin gestellt, und wer nicht genug Geduld und Bereitschaft verspürt, sich wirklich auf das fremdartige Tier "Vogel" einzustellen, sollte überdenken, ob er wirklich für Jahrzehnte die Verantwortung für solche Tiere übernehmen möchte.
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